Aktuelle Gesundheitsnachrichten «Auf Gedeih und Verderb»: Geschwister im Lockdown Von Sandra Trauner, dpa Latz aktuelle Nachrichten

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Aktuelle Gesundheitsnachrichten «Auf Gedeih und Verderb»: Geschwister im Lockdown
Von Sandra Trauner, dpa Latz aktuelle Nachrichten
04 April 2021 - 04:45

Aktuelle Nachrichten ! Aus dem Weg gehen ist nicht: Geschwister müssen im Lockdown viel Zeitmiteinander verbringen. Das kann oft zu Streit führen. Aber auchzusammenschweißen.Frankfurt/Main (dpa) - Seit Beginn der Corona-Pandemie sitzenGeschwister enger aufeinander als je zuvor. Bei geschlossenenSchulen, ohne Sport, Freunde und andere Aktivitäten außer Haus wirddas Verhältnis in vielen Familien hart auf die Probe gestellt. Wiehat sich das Verhältnis zwischen Brüdern und Schwestern seitherverändert? Und bleibt das jetzt so?Sonja Rohrmann lehrt differentielle Psychologie und psychologischeDiagnostik an der Frankfurter Goethe-Universität. Zum Verhältnis vonGeschwistern zueinander zitiert sie den Dichter Kurt Tucholsky:«Entweder sie sind auf dem Kriegspfad, oder sie rauchen dieFriedenspfeife.» In Ausnahmezeiten wie im pandemiebedingten Lockdownsei beides möglich: Geschwister könnten besonders viel streiten, aberauch zusammenwachsen, sagt Rohrmann vor dem «Tag der Geschwister» am10. April.Was von beidem zutreffe hänge von verschiedenen Faktoren ab, erklärtdie Psychologin: etwa dem Altersunterschied, der Persönlichkeit derKinder, aber auch von der häuslichen Situation und wie es den Elternin diesen für alle belastenden Monaten geht. In der Corona-Pandemiesei vermutlich der Kriegspfad häufiger. «Die Kinder haben viel Frustund Frust schafft Aggression. Den Ärger leben sie bei den Menschenaus, wo sie es sich am ehesten leisten können. Geschwister bekommendie volle Breitseite ab, weil man weiß: Die verliert man nicht.»Trotz des hohen Konfliktpotenzials schafften es manche aber trotzdem,in Krisenzeiten besonders harmonisch miteinander umzugehen, glaubtRohrmann, die selbst zwei Töchter hat. Sie entwickelten neuegemeinsame Interessen, nähmen sich stärker wahr und merkten, «dassder andere ein ganz wertvoller Partner ist in dieser schwierigenSituation».In Deutschland wächst die Mehrheit der Kinder mit Geschwistern auf.

.Die Quote ist seit langem weitgehend konstant: Seit Mitte der 1990erJahre hat sich der Anteil der Geschwisterkinder nicht verändert. Aucheine Auswertung des Mikrozensus ergab, dass der Anteil derEinzelkinder in Deutschland nicht wächst.«Das Besondere an der Geschwisterbeziehung ist das Schicksalhafte»,sagt Rohrmann. «Dass die Geschwister auf Gedeih und Verderb einanderausgeliefert sind.» Anders als Freundschaften könne man eineGeschwisterbeziehung nicht aufkündigen, schon gar nicht in einerZeit, in der man kaum die Wohnung verlassen kann.Als Faustregel gelte: Je größer der Altersunterschied, desto seltenerseien Konflikte, «weil die Kinder nicht mehr so verbunden sind: Sieleben in eigenen Welten und da gibt es weder ein Miteinander noch einGegeneinander». Je geringer der Altersabstand, desto intensiver seidie Beziehung - wobei «intensiver» beides heißen kann: «Es kannharmonischer sein, aber auch rivalisierender.»Am entspanntesten sei oft das Verhältnis zwischen gemischtenGeschlechtern, zitiert Rohrmann aktuelle Forschungsergebnisse. «Amharmonischsten ist die Kombination großer Bruder, kleine Schwester,bei drei bis vier Jahren Altersunterschied.»Ein entscheidender Faktor, wie die Geschwister miteinander auskommen,seien die Eltern, sagt Rohrmann. Wenn Eltern dauernd Vergleicheanstellten («Schau mal, wie brav Deine Schwester ist» oder «Guckdoch, wie gut Dein Bruder das macht»), dann schüre das die Rivalitätzwischen den Kindern. Besser sei es, die Individualität der Kinderwahrzunehmen und zu stärken.Falls sich im Lockdown das Verhältnis der Kinder verschlechtert hat,müssen sich Eltern keine Sorgen machen, beruhigt Rohrmann: «Wenn derAlltag wieder einkehrt, wird sich das normalisieren», glaubt sie.Corona sei eine vorübergehende Ausnahmesituation. Die Erlebnisse indieser Zeit seien nicht längerfristig prägend, anders als zumBeispiel eine Trennung der Eltern.

Source = Deutsch-Nachrichten.Com

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