Aktuelle Gesundheitsnachrichten Gefühle im Lockdown - Aggressivität und Ignoranz in der dritten Welle Von Basil Wegener, dpa Latz aktuelle Nachrichten

Deutsch-Nachrichten.Com - Gefühle im Lockdown - Aggressivität und Ignoranz in der dritten Welle Von Basil Wegener, dpa

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Aktuelle Gesundheitsnachrichten Gefühle im Lockdown - Aggressivität und Ignoranz in der dritten Welle
Von Basil Wegener, dpa Latz aktuelle Nachrichten
09 April 2021 - 07:00

Aktuelle Nachrichten ! Der längere Lockdown laugt Menschen psychisch aus - häufige Folgen:Einsamkeit und Aggressivität. Deutschlands oberster Therapeut siehtjetzt umso mehr auch die Politik gefordert.Berlin (dpa) - Deutschlands Psychotherapeuten fordern von Bund,Ländern und Kommunen einen stärkeren Schutz der Menschen vorpsychischen Belastungen durch die Corona-Pandemie. «Neben Ängsten undDepressionen nehmen auch Anspannung und Aggression zu, oft zeigen siesich, oft werden sie verdrängt», sagte der Präsident derPsychotherapeutenkammer, Dietrich Munz, der Deutschen Presse-Agenturin Berlin. «Wenn nun aber der Lockdown trotzdem verlängert undverschärft werden muss, wäre es wichtig, dass nicht nurwirtschaftliche Entschädigung fließt.»Dass sich die Krise durch die dritte Welle momentan immer weiterzuspitzt, ist nach Ansicht von Munz Folge von Ignoranz gegenübersteigenden Infektionszahlen früher im Jahr. Dass die dritte Wellekommen würde, sei früh erkennbar gewesen. «Wir haben als Menschen dieTendenz, kleinere Warnsignale zu ignorieren, um das Lustvolle machenzu können. Das hat sich gerächt.»Die Perspektive eines Impfangebots für alle und eines Endes derEinschränkungen sei für die seelische Widerstandsfähigkeit zentral.«Wir brauchen ein erreichbares Ziel», sagte Munz. Die dritte Wellemit der britischen Mutante und einem schärferen Lockdown schiebe sichaber wie ein großer Schatten vor die Perspektive. «DieSelbstheilungskräfte scheinen bei vielen allmählich erschöpft zusein.» Laut des im März veröffentlichten «Deutschland BarometerDepression» empfanden fast drei Viertel (71 Prozent) der Bundesbürgerdie Situation im zweiten Lockdown als bedrückend.LOCKDOWN UND AGGRESSIVITÄT:Andauernder Lockdown begünstigt nach Ansicht des Kammerpräsidentenaggressiveres Verhalten - doch man könne etwas dagegen machen.«Stress bringt immer eine Zunahme von Aggressionspotenzial mit sich.»Unkontrollierbare Angst bedeute Stress. «Angst bewirkt innereAktivierung für unsere zwei typischen Reaktionen: Fliehen oderDagegenhalten», sagte der Psychologe und Therapeut. Aktiv zu werdensei kaum möglich - in der Pandemie würden die Menschen zur Passivitätverurteilt.«Deshalb führt die Aktivierung durch Angst bei vielen zurAggressivität - gegenüber Mitmenschen, bei manchen auch gegenüber derPolitik oder sogar der Wissenschaft, die uns das vermeintlich alleseingebrockt hat», sagte er. Laut «Depressions-Barometer» halten 46Prozent der Bundesbürger Mitmenschen für rücksichtsloser als imLockdown Anfang 2020. Munz betonte, Stress und Aggression könntendurch Bewegung abgebaut werden. «Die Menschen sollten im LockdownSport machen, zügig gehen, walken, joggen, Rad fahren oder auchFitness mit digitalen Angeboten - wie es ihnen am ehesten liegt.»KINDER UND JUGENDLICHE:Vor allem viele Kinder und Jugendliche litten unter dem Lockdown. Siemüssten für ihre Entwicklung eigentlich Alltag mit Gleichaltrigenteilen können. Logopädinnen und Logopäden berichteten bereits vonvermehrten Störungen bei der Sprachentwicklung.

.» Kinder aussozial benachteiligten Familien seien stärker betroffen.«Bei den Minderjährigen ist der erste Schritt, die Kinder zuidentifizieren, die aktuell und vor allem auch nach Abklingen derPandemie Unterstützung brauchen», sagte Munz. «Lehrkräfte wissen nachmonatelangem Homeschooling oft genau, welche Schülerinnen und Schülerabdriften.» Für diese sollten zusätzliche Betreuungs- undUnterstützungsmöglichkeiten durch Schulpsychologen geschaffen werden.«Eine Idee wäre, dass Länder und Kommunen den Einsatz vonStudierenden auch noch vor einem Abschluss möglich machen. Siekönnten etwa eine Patenschaft für ein Kind übernehmen.» Gerade beiwärmeren Temperaturen wären verstärkt Angebote im Freien denkbar.SINGLES UND PAARE:Einsamkeit - ein verstärktes Problem sei dies jetzt bei Singles.Viele Menschen, die akut belastet seien, entwickelten dadurch abernoch keine psychische Erkrankung. «Ihnen wäre mit niedrigschwelligenHilfsangebote gedient», sagte Munz. «Doch gerade diese fallen häufigweg, denn das sind meist Gruppenangebote, Kontaktvermittlung,Treffpunkte, gemeinsame Aktivitäten.»Aber nicht nur Rückzug und Alleinsein sind ein Problem. «Bei vielenPaaren und Familien erzeugt die Enge oft Stress», sagte Munz. «Unternormalen Umständen pendeln wir zwischen Nähe und Distanz.» Es gebeviele Hinweise über mehr Gewalt und sexuelle Übergriffe in Familienschon im ersten Lockdown. Wenn alle immer zuhause sind, gebe es fürBetroffene wenig unkontrollierte Zeiten, etwa um ein Frauenhausanzurufen. «Stärkere Aufklärung zur Vermeidung von psychischerAnspannung und aggressiven Auseinandersetzungen wäre wichtig.»PSYCHISCHE ERKRANKUNGEN:«Wenn die Pandemie abklingt, dürften die psychischen Erkrankungenspürbar zunehmen», sagte Munz. Schon heute stellten mehr PatientenAnfragen an Therapeuten als noch vor einem Jahr. Sie könnten über dieTerminhotline der Ärzte zwar meist problemlos eine Sprechstunde beieinem Therapeuten ausmachen. Doch werde Behandlungsbedarffestgestellt, warteten rund 40 Prozent der Patientinnen und Patientenmindestens drei bis neun Monate auf den Beginn einer Behandlung.«Wir haben einfach zu wenig Behandlungsplätze», sagte Munz. 2018 habeein offizielles Gutachten eine Lücke von 2400 Stellen festgestellt,800 mehr seien es geworden. Um das Angebot an Psychotherapie rasch zuvergrößern, sollten auch Privatpraxen bis Ende des Jahres Menschenmit Beschwerden auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen versorgenkönnen. Langfristig müssten mehr Praxen zugelassen werden.

Source = Deutsch-Nachrichten.Com

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