Aktuelle Gesundheitsnachrichten Impf-Touristen, Impfstoff-Dealer: Die Jagd nach der rettenden Spritze Von Johannes Sadek, Anne-Sophie Galli und Denis Düttmann, dpa Latz aktuelle Nachrichten

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Aktuelle Gesundheitsnachrichten Impf-Touristen, Impfstoff-Dealer: Die Jagd nach der rettenden Spritze
Von Johannes Sadek, Anne-Sophie Galli und Denis Düttmann, dpa Latz aktuelle Nachrichten
21 Februar 2021 - 05:00

Aktuelle Nachrichten ! Mit einer Impfung gegen das Coronavirus hoffen Millionen auf einelangsame Rückkehr zur Normalität. Einige konnten die begehrte Spritzemit Glück oder Trickserei im Ausland ergattern. Zugleich wächst derMarkt für fragwürdige Reiseangebote und Ampullen aus dunklen Kanälen.Dubai/Neu Delhi (dpa) - Hala Baidun wollte in Dubai eigentlich nurihre Schwester besuchen. Aber als deren Firma in der Golf-Metropoleim Januar zur Corona-Impfung lud, versuchte die Libanesin spontanauch ihr Glück. «Sie kopierten unsere Pässe, nahmen unsere Daten auf,gaben sie in den Computer ein und impften uns.» Einen Wohnsitz inDubai hat die 50-Jährige nicht, einen Pass der Vereinigten ArabischenEmirate auch nicht. Offenbar durch einen glücklichen Zufall erhieltBaidun die Impfung, auf die dieser Tage weltweit Millionen hoffen.In einigen Ländern haben sich Schlupflöcher aufgetan für diejenigen,die das seit über einem Jahr wütende Coronavirus mit der doppeltenSpritze hinter sich lassen wollen - und die darauf in ihrenHeimatländern Wochen oder Monate warten müssten. Menschen wie Baidun,die durchs Raster rutschen und eine Impfung erhalten, die sonst nuran Landsleute und Anwohner vergeben wird. Einige elitäre Zirkel undReisebüros locken ebenfalls mit dem Impfstoff, fragwürdige Anbieterauf dem Schwarzmarkt ziehen mit.Ein regelrechter Impf-Tourismus setzte in Florida ein: In demUS-Bundesstaat konnten zeitweise auch Nicht-Anwohner das Vakzinbekommen, weshalb bald nicht nur wohlhabende Besucher aus New Yorkund Kalifornien auftauchten, sondern etwa auch reiche Argentinier.Berichten zufolge zog es unter anderem auch Reisende aus Brasilienund Mexiko nach Florida. Unfair, klagten Anwohner über dieVordrängler aus der Ferne.Für Empörung sorgte auch das Millionärs-Paar aus Kanada, das sich dieSpritze in einer Ureinwohner-Siedlung erschlichen haben soll. Derfrühere Chef einer Casino-Firma und die Schauspielerin reisten miteinem kleinen Flugzeug ins abgelegene Yukon, wo die beiden lautBerichten erklärten, bei einem Gasthof in der Gegend zu arbeiten, umsich dann impfen zu lassen. Aber der Plan flog auf.Hala Baidun, die in Beirut eine Bäckerei betreibt, hat nach ihrerImpfung in Dubai keinen üblen Nachgeschmack. «Ein Land wie die VAEwollen, dass alle glücklich sind und Geld ausgeben», sagt sie. Ein soreicher Staat sollte das Vakzin auch Touristen anbieten.In Reichweite gerückt ist die Impfung vor allem für die besondersWohlhabenden. Das «Wall Street Journal» zitierte ein Unternehmen inKanada, dessen Kunden Tagesflüge nach Florida mit dem Privatjetanfragten. Kosten: Umgerechnet zwischen 20 000 und 65 000 Euro.

. Im Angebot seienImpf-Reisen in die Emirate und Indien, berichtete der «Telegraph».«Wir buchen (unseren Mitgliedern) eine schöne Villa mit einemSchwimmbad, einem Koch und Hausangestellten», sagte ClubgründerStuart McNeill demnach. «Sie landen, kriegen ihre erste Impfung undwarten auf die zweite.» Einige Gäste würden die gesamte Zeit etwa inIndien bleiben, andere würden zwischen den zwei Spritzen nachMadagaskar fliegen. Per E-Mail teilte der Club mit, dass wegen einerFlut von Anfragen derzeit keine neuen Mitglieder aufgenommen würden.In Indien bieten Reisebüros wie Zenith Leisure Holidays Limited seiteinigen Wochen Impf-Reisen ins Ausland an. Dessen Chef Manoj Mishrasagte der Deutschen Presse-Agentur, dass er damit gleich zweiKundenbedürfnisse befriedige - Abenteuerlust und Gesundheit. Aufbunten Flyern verspricht seine Firma Angebote je nach Budget nachGroßbritannien, Russland und in die USA. Für umgerechnet rund 2800Euro geht es dafür etwa zweimal nach London, Vier-Sterne-Hotel,Visum, Schutzanzüge und Desinfektionsmittel inklusive.Kuba hat sogar angekündigt, dass Touristen sich nach Zulassung deskubanischen Impfstoffs Soberana2 auf der Karibikinsel impfen lassenkönnen. Ob Urlauber dafür zur Kasse gebeten werden, ist bislangunklar. Der Direktor des Impfstoffentwicklers Finlay, Vicente Vérez,sagte allerdings bereits: «Wir sind kein multinationales Unternehmen,dem es vor allem um Gewinn geht. Unser Ziel ist es, für mehrGesundheit zu sorgen.» In den Staatsmedien hieß es bereits, Ausländerkönnten Urlaub und Impfung verbinden.In den meisten Fällen gibt es bisher aber einen Haken: Die Emirateimpfen keine Touristen mehr, wie das Gesundheitsministerium dortbestätigt. Das Reisebüro in Indien, das von 800 Vorab-Registrierungenim Internet und 1500 telefonischen Anfragen von Kunden berichtet, hatnoch gar keine Erlaubnis der betroffenen Länder. Der KnightsbridgeCircle in London musste auf Nachfrage des «Guardian» klarstellen,dass in den Emiraten nur Club-Mitglieder geimpft werden könnten, diedort eben auch Anwohner sind (derzeit insgesamt fünf Personen).Wer sich die Wartezeit mit anderen Mitteln verkürzen will, sucht aufdem Schwarzmarkt. Beim Nachrichtendienst Telegram behaupten Nutzer,Astrazeneca-, Pfizer/BioNTech- sowie Moderna-Ampullen pro Stück fürumgerechnet 125 bis 183 Euro inklusive Versand zu verkaufen -«eisgekühlt, doppelt vakuumversiegel, mit Tracking-Nummer», wie esdort heißt. In Deutschland steigt derweil auch die Zahl derInternet-Suchanfragen nach Begriffen wie «Corona-Impfstoff onlinekaufen».Die US-israelische Cybersicherheitsfirma Check Point fand im Darknetim Januar 340 Impfstoff-Angebote, die Preise seien dort inzwischenauf umgerechnet bis zu 820 Euro gestiegen. Aber: «Nach unsererErfahrung beim versuchten Kauf einer einzigen Dosis ist eswahrscheinlich, dass ein Käufer überhaupt nichts erhält.»

Source = Deutsch-Nachrichten.Com

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