Aktuelle Gesundheitsnachrichten Impfung? No, thanks! Britische Minderheiten und ihre Skepsis Von Benedikt von Imhoff, dpa Latz aktuelle Nachrichten

Deutsch-Nachrichten.Com - Impfung? No, thanks! Britische Minderheiten und ihre Skepsis Von Benedikt von Imhoff, dpa

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Deutsch-Nachrichten.Com - Impfung? No, thanks! Britische Minderheiten und ihre Skepsis Von Benedikt von Imhoff, dpa

Aktuelle Gesundheitsnachrichten Impfung? No, thanks! Britische Minderheiten und ihre Skepsis
Von Benedikt von Imhoff, dpa Latz aktuelle Nachrichten
18 Februar 2021 - 07:45

Aktuelle Nachrichten ! Millionen Geimpfte und rascher Fortschritt: Das britischeImpfprogramm ist bislang eine Erfolgsgeschichte. Doch es gibt auchSchattenseiten - Grund sind gesellschaftliche Probleme. Nun nimmtsich das Königshaus der Sache an.London (dpa) - Die Zahlen klingen durchaus beeindruckend. Bald jederdritte Erwachsene hat in Großbritannien bereits eine erste Impfunggegen Corona erhalten, jeden Tag kommen Hunderttausende hinzu, dieZahl der Neuinfektionen sinkt stetig. Voller Nationalstolz verkündenPremierminister Boris Johnson und seine Kabinettsmitglieder täglichneuen Fortschritt. Und doch mischt sich in den Jubel eine bittereNote. Denn die Impfkampagne, die seit gut zwei Monaten läuft,erreicht offensichtlich nicht alle Menschen in Großbritannien - beiSchwarzen, Asiaten und anderen ethnischen Minderheiten ist dieBereitschaft für den schützenden Piks deutlich geringer.Die Sorgen sind groß. «Wenn eine Gruppe nicht geimpft ist, wird dasVirus sie aufspüren und wie ein Flächenbrand wüten», warnte derzuständige Staatssekretär Nadhim Zahawi jüngst. Ein Grund für dieZurückhaltung, so glauben Regierungsberater, liegt in sozialenNetzwerken. Von einer «Pandemie der Desinformation» sprach der Chefdes nationalen Gesundheitsdiensts NHS, Steven Simons. ÜberMessenger-Dienste werden Falschmeldungen und Verschwörungstheorienverbreitet: Dass die Impfung die Fruchtbarkeit beeinträchtige oder imMittel ein Aufenthaltstracker verborgen sei.Gerade bei sozial Schwachen - und zu diesen gehören viele Schwarze,Asiaten und Mitglieder anderer Minderheiten, abgekürzt BAME (Black,Asian and minority ethnic) - bleiben solche Botschaften hängen. «Esgibt viel Misstrauen gegen die Impfstoffe bei Schwarzen», bestätigtetwa der Mediziner Azeem Majeed vom Imperial College London imGespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. So würden im LondonerStadtteil Croydon viele schwarze Patienten eine Impfung ablehnen.Auch der Hausärzteverband Royal College of General Practicioners istbesorgt über die verhältnismäßig geringe Beteiligung - undBereitschaft - von Minderheiten. Majeed betont: «Das ist ein großesProblem, zumal Mitglieder dieser Gemeinschaften ein höheres Risikohaben, an Covid zu sterben.» Das liegt am Misstrauen gegenüberstaatlichen Stellen - und an schwierigen sozialen Verhältnissen.«Obwohl sie durchschnittlich in kleineren Immobilien leben als weißeBriten, ist es für BAME-Mitglieder doppelt so wahrscheinlich, mitvier oder Menschen in einem Haushalt zusammenzuleben», sagt derSoziologe Ali Meghji von der Universität Cambridge.

.»Studien haben gezeigt, dass für Pakistaner und Bangladescher inGroßbritannien ein «alarmierend» höheres Risiko besteht, an oder mitCovid-19 zu sterben. Denn die Menschen aus diesen südasiatischenStaaten lebten häufiger in benachteiligten Gebieten und in großenHaushalten mit mehreren Generationen. In den beengten Räumen kannsich das Virus viel stärker ausbreiten. Außerdem arbeiten sie weitaushäufiger in Berufen, bei denen ein höheres Corona-Risiko besteht -etwa als Taxifahrer, Kioskverkäufer oder Ladenbesitzer.Die Sorgen haben auch das Königshaus erreicht. Am (heutigen)Donnerstag (11.30 Uhr) will Thronfolger Prinz Charles in einerVideobotschaft an die Wirtschaftsvereinigung British Asian Trust fürdie Impfung werben. Es mache ihn traurig zu hören, dass für vieleMenschen die Herausforderungen durch die «unterschiedliche Annahme»der Impfstoffe noch schwieriger würden, hieß es vorab.Doch Experten betonen, die Regierung sei mit verantwortlich für dieschleppende Akzeptanz. «Sie wollte sich nicht mit der Frage derethnischen Ungleichheit in Bezug auf Covid-19 auseinandersetzen»,schimpft der Soziologe James Nazroo von der Universität Manchester.Vielmehr habe die Regierung diese Frage ignoriert. Er fordert, dieRegierung müsse ihre Prioritäten überdenken.Bisher gehen die Behörden - abgesehen von Pflege- und medizinischemPersonal an vorderster Front - bei der Impfung strikt nach dem Altervor. Durchaus erfolgreich, denn der überwältigende Teil der über75-Jährigen hat bereits eine erste Dosis erhalten. Allerdings ist derAnteil der BAME-Mitglieder in dieser Altersgruppe gering.«Angehörige ethnischer Minderheiten altern biologisch schneller,aufgrund der sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten, mit denensie konfrontiert sind», sagt Nazroo der dpa. «Das bedeutet, dassdiese gefährdeten Personen nicht von der aktuellen Priorisierungerfasst werden.» Vielmehr, so fordert der Soziologe, müssten bei derVerteilung des Impfstoffs gezielter sozial schwächere Gegendenberücksichtigt werden.

Source = Deutsch-Nachrichten.Com

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