Aktuelle Gesundheitsnachrichten Südostasien in der Corona-Zange: Vorzeigeregion wird zum Sorgenkind Von Carola Frentzen, dpa Latz aktuelle Nachrichten

Deutsch-Nachrichten.Com - Südostasien in der Corona-Zange: Vorzeigeregion wird zum Sorgenkind Von Carola Frentzen, dpa

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Aktuelle Gesundheitsnachrichten Südostasien in der Corona-Zange: Vorzeigeregion wird zum Sorgenkind
Von Carola Frentzen, dpa Latz aktuelle Nachrichten
05 Juni 2021 - 06:00

Aktuelle Nachrichten ! Neidisch blickte die Welt bis vor kurzem auf Teile Südostasiens, wodie Corona-Pandemie scheinbar nie richtig ausgebrochen war. Das istjetzt anders. Ob Thailand, Vietnam oder Malaysia: Viele Ländererleben ihre bisher schwersten Wellen. Was ist passiert?Bangkok (dpa) - Als im vergangenen Jahr die halbe Welt unter der Lastder Corona-Zahlen und der überlasteten Gesundheitssystemedahinsiechte, erfreuten sich Teile Südostasiens einer erstaunlichenNormalität. Voll besetzte Tuk Tuks bahnten sich ihren Weg durchMetropolen wie Bangkok und Phnom Penh, Gläubige bevölkerten Tempelund Moscheen und Karaoke-Bars wurden von Feierwütigen gestürmt. DieNeuinfektionen beliefen sich dennoch nur auf einige Dutzend am Tag -wenn überhaupt. Aber seit Anfang des Jahres kämpfen nun auch Länderwie Thailand, Vietnam und Malaysia gegen schwere Virus-Wellen.Warum die Region so lange recht glimpflich durch die Pandemie kam,ist nicht völlig geklärt. Manche sagen, die schnellenGrenzschließungen Anfang 2020 hätten geholfen. Andere meinen, dasschwül-heiße Klima habe Sars-CoV-2 im Zaum gehalten. Wieder anderenennen die Selbstverständlichkeit, mit der die meisten Asiatenallerorts eine Maske tragen, als Grund.Fakt ist, dass immer mehr asiatische Nationen in strikte Lockdownsgehen müssen, während sich Europa gerade wieder öffnet. Dabei wolltenLänder wie Malaysia und Thailand dies aus Angst vor demwirtschaftlichen Kollaps eigentlich um fast jeden Preis vermeiden.Das aufstrebende Schwellenland Malaysia ist seit dem 1. Juni nachtagelangen Rekord-Infektionen mit mehr als 7000 Fällen pro Tag im«totalen Lockdown». Sogar die meisten Unternehmen mussten schließen.Das Gesundheitsministerium glaubt, dass die Feiern zum Ende desRamadan in dem muslimischen Land mitverantwortlich für die Krisesind. Allerdings verzeichnete das Königreich bereits in den Wochendavor steigende Zahlen. Zuletzt warnte der Generaldirektor desGesundheitsministeriums, Noor Hisham Abdullah: «Die Malaysier müssensich auf das Schlimmste vorbereiten.» Die täglichen Zahlen folgteneinem exponentiellen Trend.Andere Teile Asiens, wie etwa die Mongolei, erleben ebenfalls ihrebisher schlimmsten Ausbrüche. Weil die Nation zwischen China undRussland ihre Grenzen sofort rigoros abriegelte, gab es über Monateüberhaupt keine Infektionen. Der erste lokale Corona-Fall wurde erstim November des vergangenen Jahres gemeldet. Dann ging es schnellnach oben mit den Zahlen. Zuletzt lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei170. Auch die Inselrepublik Taiwan bemüht sich, die steigendenFallzahlen unter Kontrolle zu halten.

. Das ist viel, wenn man bedenkt, dass Taiwan 2020 für 250Tage überhaupt keine neuen Infektionen gemeldet hatte.Auch in einigen Ländern Südostasiens, darunter Vietnam, Kambodschaund Laos, sind die Infektionszahlen vergleichsweise viel niedrigerals etwa in Europa, wo bereits gejubelt und gelockert wird. ObwohlVietnam (96 Millionen Einwohner) derzeit nur ein paar Hundert neueFälle am Tag meldet, schrillen alle Alarmglocken - denn dieSteigerung im Vergleich zu den vergangenen Monaten ist auch hierbeachtlich. Die Situation im Land sei «komplex und komplizierter alsim vergangenen Jahr» - und das, obwohl die Behörden in Hanoi einen«exzellenten Job» gemacht hätten, sagte der WHO-Vertreter in Vietnam,Kidong Park, der Deutschen Presse-Agentur.Die Ursache des Ausbruchs ließ sich ziemlich genau ausmachen: Im Fallvon Vietnam waren ein 27-Jähriger, der aus Japan zurückgekehrt war,und ein eingereister Chinese nach der Quarantänezeit positiv auf dasVirus getestet worden. Da hatten sie schon mehrere Leute angesteckt.In Kambodscha sollen vier Chinesen, die Anfang Februar von Dubai nachPhnom Phenh geflogen waren, durch Bestechung eines Sicherheitsbeamtenihre Quarantäne gebrochen und ausgiebig in Clubs gefeiert haben. Zweihatten Corona, einer brachte die hochansteckende Variante «Alpha»,die zuerst in Großbritannien entdeckt wurde, ins Land.Die Ausbreitung war rasant und führte nach Angaben der Zeitung «KhmerTimes» nicht nur zu «Chaos und Panik», sondern auch zum Lockdown insechs Provinzen. Der ausgeklügelte Party-Plan der Chinesen habe «13Monate voller Opfer und harter Arbeit, um die Covid-Situationerfolgreich einzudämmen, zunichte gemacht», schrieb das Blatt wütend.Denn mit den Virus-Mutationen ist nicht zu spaßen. Die vietnamesischeRegierung hatte erst kürzlich gemeldet, dass im Land eine neueVariante entdeckt worden sei - eine Kreuzung aus «Alpha» und «Delta»(die zuerst in Indien nachgewiesen wurde), so glaubte man.WHO-Experte Kidong Park betonte aber jetzt, was als neueMischvariante ausgemacht worden sei, gehöre zu «Delta».Hochansteckende Mutanten sind derweil nicht der einzige Grund für diesteigenden Zahlen: «Hauptfaktor ist eine Kombination aus den leichterübertragbaren Varianten und dem fehlenden Zugang zu Impfstoffen»,meint Todd Pollack, Spezialist für Infektionskrankheiten an derHarvard Medical School.Denn bei der weltweiten Verteilung der Vakzine bestehe nach wie vorein großes Ungleichgewicht, auch wenn erhebliche Fortschritte erzieltworden seien, so ein WHO-Experte gegenüber der dpa. «Mehr als 75Prozent aller Impfstoffe wurden in nur zehn Ländern verabreicht»,rechnete er vor. «Es ist entscheidend, dass wir uns auf eine gerechteVerteilung konzentrieren, damit alle Länder Zugang zu Impfstoffenhaben, nicht nur die wohlhabenderen Staaten.»Letztere müssten ärmere Nationen unterstützen und sicherstellen, dassbesonders gefährdete Gruppen überall auf dem Planeten so schnell wiemöglich geschützt würden. «Denn bis alle Länder sicher sind, wirdkein Land sicher sein», ist er überzeugt.Etwa in Vietnam, wo 13 Million Menschen mehr leben als inDeutschland, bekamen bis zum 30. Mai nur eine Million Einwohner eineImpfung. Und im Urlaubsparadies Thailand wurden trotz einer heftigenWelle, die auch die Inhaftierten in den Gefängnissen in Massen ereilthat, erst 1,1 Millionen der 69 Millionen Menschen vollständiggeimpft. Immerhin: Die Insel Phuket, die ab dem 1. Juli geimpftenReisenden einen quarantänefreien Urlaub ermöglichen will, preschtvoran: Hier erhielt bereits mehr als die Hälfte der Bevölkerung ihrVakzin, bis zum Start der Modellregion sollen es 70 Prozent sein.

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