Aktuelle Gesundheitsnachrichten Studie: «Gangsta-Rap» fördert antisemitische Einstellungen Latz aktuelle Nachrichten

Deutsch-Nachrichten.Com - Studie: «Gangsta-Rap» fördert antisemitische Einstellungen

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04 May 2021 - 13:45

Aktuelle Nachrichten ! «Gangsta-Rap» gilt bei vielen Jugendlichen als cool. Diegewaltverherrlichenden Texte werden gar nicht immer verstanden. Jetztbelegt erstmals eine Konsumenten-Studie, dass Gangsta-Rap denNährboden bereitet für antisemitische Einstellungen.Düsseldorf (dpa) - «Gangsta-Rap» fördert einer Studie zufolgeantisemitische und frauenfeindliche Einstellungen bei jugendlichenHörern. Weniger stark wirkt sich der Einfluss demnach auf weiblicheKonsumenten aus und auf Hörer mit Gymnasialbildung. Das geht auseiner Studie der Universität Bielefeld hervor, die dieAntisemitismusbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen, SabineLeutheusser-Schnarrenberger, am Dienstag in Düsseldorf vorgestellthat.Die Untersuchung belege erstmalig durch eine repräsentative Erhebungbei jungen Konsumenten, dass Gangsta-Rap den Nährboden für spätereverfestigte antisemitische Einstellungen bereite, erklärteProjektleiter Marc Grimm vom Bielefelder «Zentrum für Prävention undIntervention im Kindes- und Jugendalter». Im Auftrag derAntisemitismusbeauftragten seien in Kooperation mit einemMeinungsforschungsinstitut in den Jahren 2019 bis 2021Einzelinterviews und Gruppengespräche dazu geführt worden. Zusätzlichsei eine für NRW repräsentative Zielgruppe von 500 Zwölf- bis24-Jährigen per Fragebogen interviewt worden.«Unsere Ergebnisse zeigen, dass es einen direkten Zusammenhangzwischen dem Konsum von Gangsta-Rap und der Neigung, antisemitischeund frauenfeindliche Aussagen zu teilen, gibt», fasste Grimmzusammen. Entgegen der weitläufigen Auffassung werde Gangsta-Rapkeineswegs überdurchschnittlich häufig von Jugendlichen aus sozialbenachteiligten Schichten konsumiert. Stattdessen stammen die weitausmeisten aus Familien mit mittlerem bis hohem Wohlstand. Drei von fünfHörern sind männlich.«Im Gangsta-Rap lässt sich seit längerer Zeit beobachten, dass einÜbermaß an Körperkult und autoritäre Machtfantasien zentrale Motiveder Selbstinszenierung der meist männlichen Künstler sind», sagteGrimm. «Ideologien der Ungleichheit» - also die Abwertung von Frauenund Homosexuellen sowie Antisemitismus - seien Kernelemente für dieseRap-Spielart, die in Deutschland die ökonomisch erfolgreichste indiesem Genre sei. «Wir können davon ausgehen, dass die Texte derKünstler auch Einfluss auf die Werthaltungen, Demokratieverständnisund Diskriminierungsneigungen von jungen Menschen haben.»Anders als beim nachweislichen Einfluss auf antisemitische,frauenfeindliche und chauvinistische Einstellungen, lasse sich einsolcher Zusammenhang zwischen Gangsta-Rap und rassistischen Neigungenallerdings nicht messbar feststellen. «Damit liegen erstmals in einerJugendbefragung Hinweise darauf vor, dass antisemitischeEinstellungen unabhängig von rassistischen Einstellungen existieren»,stellten die Forscher fest.Die Befragung habe ergeben, dass die gewaltverherrlichenden Texte oftgar nicht richtig verstanden würden. Teils werde gar nicht bewusstzugehört, sondern nebenbei gehört, etwa zum Aufputschen beim Sportoder - erstaunlicherweise - «um vor dem Schlafengehen zur Ruhe zukommen», berichtete Grimm.

.In den Gesprächen wurden die jungen Gangsta-Rap-Hörer ausschließlichzu deutschen Künstlern und ihren Texten und Videos befragt. Vielenähmen Gangsta-Rapper als legitime Sprecher wahr, die auf sozialeMissstände und Ungerechtigkeiten hinweisen und unbequeme Wahrheitenaussprechen, berichtete Jakob Baier aus dem Forschungsprojekt.Unter anderem sei «Contraband» der beiden Rapper Fard & Snagabesprochen worden - «ein recht martialisches, gewaltgeladenesMusikvideo, in dem auch Motive des islamistischen Terrorismus gegenIsrael bedient werden», erklärte Baier. «Die israelische MetropoleTel Aviv wird darin als Feindbild herausgestellt.» Als Beispiel, wasbei den Konsumenten oft bloß ankomme, nannte er die Aussage einesBefragten, der «Tel Aviv» gar nicht verstanden, sondern geantwortethabe: «Ich dachte, die sagen: C'est la vie« (zu deutsch: Das ist dasLeben).»Darüber hinaus sei es um «Fokus» von Kollegah, «Hang the bankers»vonHaftbefehl und weitere Videos von Farid Bang, Sido, Fler, PA Sportsund anderen Künstlern gegangen - etwa auch um das frühereTwitter-Profil von Bushido, der auf einer Nahost-Karte Israeleliminiert hatte. Generell zeigten Jugendliche «ein eherdistanziertes Verhältnis zu Verschwörungserzählungen», allerdingsneigten sie zu einfachen Weltdeutungen im Gut-Böse-Raster, erklärteBaier. Genau das Muster tauche immer wieder im Gangsta-Rap auf.Bei einem «Antisemitismus-Index», der die Zustimmung zu 16antisemitischen Aussagen erfasst habe, hätten sich 26,5 Prozent derBefragten als «sehr antisemitisch» erwiesen, 37 Prozent als «etwasantisemitisch» und 36,5 Prozent als «nicht antisemitisch». Unter densehr antisemitisch Eingestellten gaben über 81 Prozent an, «(sehr)gerne» Gangsta-Rap zu hören.Verbote seien die falsche Antwort auf die Gefahren, bilanzierten dieWissenschaftler und Leutheusser-Schnarrenberger übereinstimmend. Zumeiner würde «der erhobene Zeigefinger» bei Jugendlichen keine großeWirkung zeigen, zum anderen wiege die Meinungsfreiheit schwer, sagtedie frühere Bundesjustizministerin.Nun gehe es zunächst darum, die wissenschaftlichen Erkenntnisse indie Breite zu tragen. Dazu sei für den Juni eine Fachtagung mitVertretern aus Bildung, verschiedenen Religionen und aus derMusikindustrie geplant. «Die Branche hat auch eine Verantwortung»,sagte Leutheusser-Schnarrenberger, die die Studie mit 90 000 Euro ausihrem Etat finanziert hat.Sie selbst sei keine Gangsta-Rap-Hörerin, bekannte die 69-jährigeLiberale. «Das ist nicht das Musik-Metier, was mich besondersanspricht.» Ein Angebot des jüdischen Rappers Ben Salomo - der sichin seinem neuen Lied «Kronzeuge» mit dem Antisemitismus-Problem inder deutschen Rap-Szene befasst -, sie innerhalb einer Woche füreinen eigenen Beitrag fit zu machen, habe sie abgelehnt. «Ich habemir von ihm einige Texte mal erklären lassen.»

Source = Deutsch-Nachrichten.Com

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