Letz Nachrichten Trauer und offene Fragen - Jahrestag des Anschlags in Hanau Aktuelle Nachrichten

Deutsch-Nachrichten.Com - Hanau (dpa) - Ein Jahr ist es her, dass der Deutsche Tobias R. in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven erschoss - und noch immer sind Entsetzen und Ratlosigkeit über die...

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Deutsch-Nachrichten.Com - Hanau (dpa) - Ein Jahr ist es her, dass der Deutsche Tobias R. in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven erschoss - und noch immer sind Entsetzen und Ratlosigkeit über die...

Letz Nachrichten  Trauer und offene Fragen - Jahrestag des Anschlags in Hanau Aktuelle Nachrichten
19 Februar 2021 - 05:00

Aktuelle Nachrichten ! Hanau (dpa) - Ein Jahr ist es her, dass der Deutsche Tobias R. in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven erschoss - und noch immer sind Entsetzen und Ratlosigkeit ?ber die Tat in der Stadt greifbar. Heute werden Bundespr?sident Frank-Walter Steinmeier und Hessens Ministerpr?sident Volker Bouffier (CDU) das zu sp?ren bekommen, wenn sie zusammen mit dem Hanauer Oberb?rgermeister Claus Kaminsky (SPD) und Angeh?rigen der Toten an der Gedenkfeier teilnehmen. Neben Trauer und Schmerz werden auch die dr?ngenden Fragen der Opferfamilien den Jahrestag bestimmen. Doch ob und welche Antworten die Politik darauf finden wird, ist offen.Vielfach hatten die Angeh?rigen in den vergangenen zw?lf Monaten Konsequenzen aus der Tat gefordert - allen voran ein entschiedeneres Eintreten gegen Rechts. Den Beh?rden warfen sie vor, ?Warnsignale? nicht ernst genug genommen zu haben, zuletzt etwa Ajla Kurtovic, deren Bruder Hamza unter den neun Todesopfern des Anschlags war. Neben Pamphleten mit Verschw?rungstheorien und rassistischen Ansichten, die der 43 Jahre alte T?ter vor der Tat im Internet ver?ffentlicht hatte, geh?rt dazu auch ein von ihm verfasster, sehr wirrer Brief, der Monate zuvor beim Generalbundesanwalt eingegangen war.Warum wurde dem nicht nachgegangen und warum durfte Tobias R. Waffen besitzen? Wie kann eine solche Tat k?nftig verhindert werden? Diese Fragen treiben nicht nur die Familien um. Sch?rfer formuliert es die ?Initiative 19. Februar Hanau?, ein Zusammenschluss von Hanauer Angeh?rigen. In einem der Texte auf ihrer Homepage ist von einem ?Versagen der Beh?rden vor, w?hrend und nach der Tat?, von ?Schwerf?lligkeit der ?mter bei der Unterst?tzung und Hilfe? und von ?unverzeihlichem Fehlverhalten der Sicherheitskr?fte in der Tatnacht? die Rede. Er zeigt, wie tief die Wunden und die Zerrissenheit in Hanau auch ein Jahr nach dem Anschlag noch sind. Das pr?gt auch die Arbeit von Helmut F?nfsinn, Opferbeauftragter der hessischen Landesregierung und ehemaliger hessischer Generalstaatsanwalt. Seit Februar vergangenen Jahres k?mmert er sich als pers?nlicher Ansprechpartner im Zusammenspiel mit dem Bundesopferbeauftragten Edgar Franke, dem Hanauer Opferbeauftragten Andreas J?ger und anderen Beteiligten um Anliegen der Betroffenen und koordiniert Kontakte zu Ansprechpartnern. Eine Aufgabe, die viel Fingerspitzengef?hl erfordert, wie F?nfsinn deutlich macht: ?Es ist sicherlich nicht leicht - von der Landesregierung bin ich bewusst als staatliche Stelle eingesetzt worden - ein tiefes Vertrauensverh?ltnis zu schaffen.?Neben finanziellen Hilfen und Unterst?tzung beim Umgang mit Beh?rden sorgen F?nfsinn und seine Mitstreiter daf?r, dass die Betroffenen auch psychosoziale Unterst?tzung bei der Verarbeitung von Traumata und Trauer bekommen, beispielsweise ?ber die Hanauer Hilfe, eine Beratung f?r Opfer und Zeugen von Straftaten. Ziel sei es letztlich, ?so zu helfen, dass wieder eine Ann?herung an ein normales Leben m?glich sein wird?, sagt F?nfsinn, macht aber auch deutlich: ?Das wird ein langer Prozess sein, aber ich hoffe sehr, dass dieser Prozess doch in gr??eren Teilen gelingen wird.?Als besonders schwierig f?r die Hinterbliebenen sch?tzt der ehemalige Generalstaatsanwalt ein, dass es nach diesem beispiellosen rassistischen Terroranschlag nach aller Voraussicht kein Strafverfahren geben wird, da sich der T?ter selbst richtete. Denn auch wenn die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft noch nicht abgeschlossen sind: Bisher sollen sich nach Medienberichten keine Hinweise darauf ergeben haben, dass Tobias R.

. ?Nat?rlich ist es ganz, ganz schwierig zu ertragen, dass hier der T?ter nicht mehr einer gerechten staatlichen Strafe zugef?hrt wird und dass nicht vielleicht doch noch die eine oder andere Frage beantwortet werden kann?, sagt F?nfsinn. Es sei auch nachvollziehbar, dass Menschen, denen ?das Liebste genommen wurde?, in dieser Situation auch weitere Schuldige suchen.Zuletzt d?rfte die Mitteilung von Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU), der Hanauer Polizeinotruf sei in der Tatnacht ?berlastet gewesen, den Unmut der Angeh?rigen gesch?rt haben. Brisant ist dieses Eingest?ndnis deshalb, weil eines der Opfer, der 22 Jahre alte Vili Viorel Paun, den T?ter nach den ersten Sch?ssen mit seinem Auto verfolgt haben soll, um ihn zu stoppen - und dabei mehrfach vergeblich den Notruf gew?hlt haben soll. Kurz darauf war er von Tobias R. in seinem Auto erschossen worden. Auch wenn Beuth nun, ein Jahr nach der Tat, technische Gr?nde f?r den Engpass verantwortlich macht und auf das dennoch schnelle Handeln der Einsatzkr?fte hinweist, bleibt die Frage, ob die Polizei Paun nicht h?tte aufhalten k?nnen, w?re er bei dem Notruf durchgekommen.Auf der anderen Seite habe es auch Dinge gegeben, die nach der Tat und bei der Aufarbeitung richtig gelaufen seien, sagt F?nfsinn. So sei es - neben dem schnellen Eintreffen der Polizei am Tatort - wichtig gewesen, dass der Generalbundesanwalt noch in der Tatnacht das Verfahren ?bernommen habe. Auch beim Engagement gegen Rechtsextremismus sieht F?nfsinn Fortschritte - und verweist etwa auf einen neuen Fonds f?r Projekte gegen Extremismus, auf das Hessische Informations- und Kompetenzzentrum gegen Extremismus sowie auf das Aktionsprogramm ?Hessen gegen Hetze? - ?also man kann nicht sagen, dass Hessen nichts tut?, sagt F?nfsinn. Ob sich der Alltagsrassismus, ?den man nicht leugnen kann?, dadurch beeindrucken lasse, stehe auf einem anderen Blatt.So h?tten die Beh?rden alleine in der Tatnacht vom 19. zum 20. Februar 2020 ?ber 50 Hassmails wahrgenommen. ?ber die bei der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft angesiedelte Zentralstelle zur Bek?mpfung der Internetkriminalit?t seien die Verfasser verfolgt und auch teils bereits verurteilt worden, sagt F?nfsinn. ?Will sagen: Wir tun schon was. Es mag sein, dass die Angeh?rigen das als viel zu wenig erachten, aber man kann nicht sagen, dass der Staat wegschaut.? Zugleich ?u?ert der hessische Opferbeauftragte die Hoffnung, dass auch durch die Arbeit in der Extremismuspr?vention solche Taten k?nftig verhindert werden k?nnen - ?sicher ist man allerdings leider nie.?Erst vergangenen Donnerstag hatte der Soziologe und Rechtsextremismusforscher Matthias Quent mit Blick auf den Hanauer Anschlag deutlich gemacht, dass aus seiner Sicht die gesamte Gesellschaft im Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus gefordert ist - und erst ganz am Anfang eines langen Lernprozesses stehe.? dpa-infocom, dpa:210218-99-489550/6

Source = Deutsch-Nachrichten.Com

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