Saarland Nachrichten Wie grün wird die Gigafactory in Grünheide? Saarbrücken Nachrichten

Deutsch-Nachrichten.Com - Tesla verbraucht in Grünheide Wasser, fällt Bäume und verursacht jede Menge Verkehr. Gleichzeitig versprechen die Kalifornier, mit ihrer Gigafactory besonders umweltfreundlich zu produzieren. Geht das zusammen? Ein Faktencheck von Philip Barnstorf

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Deutsch-Nachrichten.Com - Tesla verbraucht in Grünheide Wasser, fällt Bäume und verursacht jede Menge Verkehr. Gleichzeitig versprechen die Kalifornier, mit ihrer Gigafactory besonders umweltfreundlich zu produzieren. Geht das zusammen? Ein Faktencheck von Philip Barnstorf

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04 April 2021 - 13:00

Aktuelle Nachrichten ! Wasser: Legt Tesla die Region trocken? Klar ist: Die Fabrik wird zunächst bis zu 1,45 Millionen Kubikliter Wasser pro Jahr verbrauchen. Das ist in etwa soviel wie eine 30.000 Einwohnerstadt von der Größe Fürstenwaldes. Damit verbraucht Tesla pro hergestelltem E-Auto mehr Wasser als zum Beispiel VW oder BMW. Die Firma ist damit aber nicht der größte Verbraucher in der Region: Die Leipa-Papierfabrik in Schwedt zum Beispiel setzt in ihrer Produktion viel mehr Wasser ein. Klar ist auch: Wasser ist in Ostbrandenburg gerade nach den vergangenen Dürresommern knapp. Der zuständige Wasserverband Strausberg-Erkner hat zwar zugesagt, die derzeit geplante Tesla-Fabrik zu beliefern. Aber wenn wie erwartet mehr Menschen und Unternehmen in die Gegend ziehen, und Tesla seine Fabrik noch ausbaut, wird es knapp. Deshalb soll unter anderem mit Landesmitteln in Hangelsberg mehr Wasser gefördert werden. Davor warnen Umweltschützer: "Mehr Grundwasserentnahme kann keine Lösung sein”, sagt Christiane Schröder vom NABU Brandenburg. Die studierte Biologin fürchtet, dass etwa Pflanzen und Tiere im nahen Naturschutzgebiet Löcknitztal leiden, wenn der Grundwasserspiegel wegen der zusätzlichen Förderung sinkt. Mehr zum Thema dpa/Thomas Bartilla Grünheide (Oder-Spree) - Tesla-Fabrik: Fernwasserleitung nach Eisenhüttenstadt kommt nicht Industrie im Trinkwasserschutzgebiet? Außerdem entsteht die Fabrik in einem Trinkwasserschutzgebiet, gut einen Kilometer entfernt steht ein Brunnen des regionalen Wasserverbands. Tesla muss deshalb spezielle Sicherheitsvorkehrungen treffen, um zu verhindern, dass Giftstoffe ins Grundwasser sickern. Einige Anwohner und auch die Grüne Liga fürchten, dass Tesla in seinem Bautempo nicht für ausreichend Sicherheit sorgt. Hier müssen die Genehmigungsbehörden sicherstellen, dass Tesla sorgfältig plant. Tesla hat inzwischen seine Fabrikpläne überarbeitet: Regenwasser von den riesigen Dachflächen soll nicht mehr nur an einer Stelle, sondern in mehreren Becken auf dem Gelände versickern. So soll der Grundwasserfluss unter der Fabrik möglichst wenig gestört werden. "Das Wasserproblem gäbe es auch ohne Tesla" Ist Tesla also der Verbraucher, der den regionalen Wasserhaushalt endgültig zum Kippen bringt? "Das Wasserproblem gab es schon vor fünf Jahren", sagt Irina Engelhardt, Hydrogeologin an der TU Berlin. "Das gäbe es auch ohne Tesla." Engelhardt plädiert dafür, Wasser aus wasserreichen Gebieten, etwa an der Oder, über Leitungen in trockene Regionen zu transportieren. Tatsächlich war für Tesla zwischenzeitlich eine 80-Kilometer-Leitung aus Eisenhüttenstadt im Gespräch. Aber der Plan wurde verworfen. Nun bleibt noch die Förderung aus dem zehn Kilometer entfernten Hangelsberg. Wieviel Wasser dort genau im Boden liegt und ob es sich als Trinkwasser eignet, muss aber noch geprüft werden. Erst dann werden sich die Umweltfolgen verlässlich abschätzen lassen. Mehr zum Thema imago images Eilantrag abgelehnt - Verwaltungsgericht erlaubt weitere Waldrodung auf Tesla-Baustelle Wald: Kiefernforst oder Natur-Paradies? Wo Tesla jetzt schon Montageroboter in die Fabrikhallen einbaut, standen vor gut einem Jahr noch Bäume. Die meisten waren Kiefern, gezielt angepflanzt um später etwa zu Möbeln verarbeitet zu werden. Grünheides Bürgermeister spricht daher von einem "Nutzwald" und auch Anton Hofreiter, Mitglied der grünen Bundestagsfraktion, nannte die Bäume eine "Kiefernplantage". Jedoch wurde der Wald nicht konsequent bewirtschaftet, sodass sich hier und da auch andere Pflanzen angesiedelt haben. Der Kiefernanteil liegt heute bei ungefähr 80 Prozent. Ist der Wald also entbehrlich aus Sicht des Umweltschutzes? "In solchen Kiefernkulturen leben gemeinhin weniger verschiedene Tier- und Pflanzenarten als in Laub- oder Mischwäldern", sagt Jens Schröder, Professor für Waldökologie an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Gleichzeitig böten die Kiefern aber mehr Tieren Lebensraum als etwa Weideland oder Agrarsteppen. Einige Arten bevorzugen sogar gerade die Kiefern: Etwa Zauneidechsen und Schlingnattern ist es in Laubwäldern zu schattig und kalt. Die wechselwarmen Reptilien schätzen die lichten Kiefernkronen, durch die viel Sonnenlicht dringt. Gleichzeitig schützen die schmal aufragenden Nadelbäume sie vor Greifvögeln. Mehr zum Thema rbb rbb|24-Podcasts zu Tesla in Brandenburg - Wie grün ist Tesla wirklich? Download (mp3, 28 MB) "Man kann die Natur ersetzen - Wenn man sich Mühe gibt" Christiane Schröder vom NABU sagt dennoch: "Die Rodung ist vertretbar, man kann die zerstörte Natur ersetzen. Aber nur wenn man sich Mühe gibt." Diese Mühe habe Tesla vermissen lassen, als das Unternehmen im vergangenen Jahr nicht ausreichend nach den Tieren gesucht habe, um sie umzusiedeln, bevor die Harvester die Bäume fällten. Deshalb versuchte der NABU die Rodungen per Eilantrag zu stoppen. Ein Gericht gab den Umweltschützern teilweise Recht: Einige Hektar Kiefernwalde darf Tesla erstmal nicht fällen, weil dort wahrscheinlich Eidechsen und Nattern überwintern. Während Tesla hier anscheinend eher auf Tempo als auf Umweltschutz gesetzt hat, waren die Kalifornier an anderen Stellen empfänglich für Ratschläge von Naturschützern. So kündigte das Unternehmen etwa insektenfreundliche Beleuchtung für die Fabrik an. Sie soll nachts Insekten, die sich normalerweise nur am Sternenlicht orientieren, möglichst wenig irritieren. Auch will Tesla über das vorgeschriebene Maß hinaus Wald als Ausgleich für die gerodeten Kiefern anpflanzen. Mehr zum Thema dpa/Patrick Pleul 4 min Konzept von Berlin und Brandenburg - Tesla könnte 36.000 Menschen in die Region locken Artenreiche Wälder für ganz Brandenburg? Wie schnell diese Ausgleichswälder anwachsen, wird entscheidend sein für die Ökobilanz der Grünheider Fabrik, was Wald und Tiere angeht. Mindestens die Hälfte der neuen Bäume sollen Laubbäume sein. Damit könnten die entstehenden Wälder mehr Tieren ein Zuhause bieten und resistenter gegen den Klimawandel sein, denn sie brauchen weniger Wasser als Kiefern. Außerdem speichern Laubbäume auch mehr CO2 als Kiefern. Aber dafür müssen die neuen Wälder erstmal wachsen. Oft werden sie auf nährstoffarmen ehemaligen Äckern angepflanzt.

. Wenn die neuen Wälder diese Herausforderungen überstehen, könnte Tesla hier gut abschneiden. "In fünf bis zehn Jahren kann man sicher sein, ob aus den jungen Bäumen auch wirklich Wälder werden", sagt Waldökologe Jens Schröder. Strom: Aus Kohlegruben oder vom eigenen Solardach? Jedoch braucht die Fabrik nicht nur Wasser und Bauflächen sondern auch Strom. "Wir sind wahrscheinlich das einzige Land, das garantieren kann, dass die Produktion in Zukunft mit erneuerbaren Energien stattfinden kann." So hatte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke Teslas Entscheidung für Grünheide erklärt. Die E-Autoproduktion mit komplett grünem Strom ist aber noch Zukunftsmusik. Brandenburg produziert zwar pro Kopf mehr Strom mit erneuerbaren Energien als die meisten anderen Bundesländer. Aber in den letzten Jahren stockt der Ausbau der Erneuerbaren und zwei Drittel des Brandenburger Stroms kommen immer noch aus der Braunkohle, sind also besonders schlecht fürs Klima. Experten halten komplett grünen Strom für Tesla in Grünheide frühestens 2030 für realistisch. Tesla wird also erstmal unter anderem mit Kohlestrom produzieren. Ob das Unternehmen den Ausbau der Erneuerbaren fördern wird, indem es einen teureren Grünstromtarif wählt, hat Tesla bisher nicht beantwortet. Einen Teil seines Stroms will das Unternehmen derweil selbst mit Erdgas vor Ort gewinnen. Auch dabei wird CO2 ausgestoßen, wenn auch weniger als bei Kohle. Schließlich will Tesla Solarpanele auf die riesigen Dachflächen seiner Fabrik montieren. So könnte das Unternehmen die Umweltbilanz seines Stroms weiter verbessern. Aber ganz ohne Kohlestrom wird es am Anfang nicht gehen. Mehr zum Thema rbb 2 min Video | Grünheide - So sieht die Tesla-Baustelle inzwischen aus Verkehr: Pendeln mit Auto oder Bahn In der aktuell entstehenden Fabrik sollen bis zu 12.000 Jobs entstehen. Wenn Tesla sein Werk noch ausbaut, könnten dort bis zu 40.000 Menschen arbeiten. Wie viele von denen umweltschonend mit Bus und Bahn zur Arbeit kommen, hängt unter anderem von Tesla ab: So plant das Unternehmen angeblich einen eigenen Shuttle-Zug ab Erkner, der Endstation der Berliner S-Bahn. Außerdem könnte Tesla Mitarbeitern Bahntickets bezuschussen und Fahrgemeinschaften sowie Fahrradfahrer etwa mit jeweils speziellen Parkplätzen fördern. Klug getaktete Schichtwechsel könnten CO2-intensive Staus auf den Werksparkplätzen vermeiden. Auch die Bahn ist gefragt: So ist schon geplant, den RE1 ab dem kommenden Jahr drei- statt zweimal pro Stunde fahren zu lassen. Mit einem zusätzlichen Halt in Treptow-Köpenick, könnten auch viele Tesla-Mitarbeiter aus Ostberlin mit der Bahn zur Arbeit fahren. Eine schon anvisierte Verlegung des Bahnhofs Fangschleuse näher ans geplante Werk, soll Shuttlebusse vom derzeitigen Bahnhofsstandort überflüssig machen. Das dürfte aber noch mehrere Jahre dauern. Mehr zum Tehma dpa/Patrick Pleul Bauarbeiten in Grünheide - Wieso die Tesla-Fabrik immer noch nicht genehmigt ist Je näher desto umweltfreundlicher Insgesamt sind die Chancen für den ÖPNV beim Tesla-Pendelverkehr begrenzt: Eine Verkehrsstudie aus dem Bebauungsplan fürs Umfeld der Fabrik geht davon aus, dass höchstens 40 Prozent der Belegschaft mit Bus und Bahn zur Arbeit kommen werden und das auch nur bei optimalen Bedingungen. Bei bis zu 40.000 Mitarbeitern dürfte also viel Pendelverkehr mit vielen Verbrenner-Autos entstehen. Immerhin haben Land und Kommunen die Chance den dabei entstehenden CO2-Ausstoß zu begrenzen. Dafür müssen sie möglichst schnell Wohngebiete nahe am Teslawerk, etwa in Grünheide oder Spreenhagen, entwickeln. Dann könnten Tesla-Mitarbeiter dorthin ziehen und hätten nur einen kurzen Weg zur Arbeit, den sie vielleicht sogar mit dem Rad zurücklegen könnten. Fast 1500 Lkw - jeden Tag Schließlich ist da noch der Anlieferverkehr: Tesla Chef Elon Musk hat zwar gesagt, dass er möglichst viel Transport über die Schiene abwickeln will, aber das Verkehrskonzept aus dem Bebauungsplan geht davon, dass in der letzten Ausbaustufe der Fabrik fast 1500 Lkw täglich das Werk anfahren könnten. Die Zahl der Züge, die vornehmlich fertige Autos ausliefern dürften, bleibt dagegen bei unter 50. Angeblich gibt es bei Tesla Pläne, möglichst viele Elektro-Lkw aus dem eigenen Haus einzusetzen. Aber noch ist kein einziger dieser E-Laster ausgeliefert. Zunächst dürfte also auch durch An- und Abtransport viel CO2 entstehen. Mehr zum Tehma dpa/Thomas Bartilla Brancheninsider - Tesla plant Batteriefabrik mit 1.000 Arbeitsplätzen Fazit: Vieles noch offen Wie bei jeder großen Autofabrik wird die Natur vor Ort unter dem Tesla-Werk leiden. Der E-Auto-Hersteller verbraucht Wasser, fällt Kiefern, nutzt Kohlestrom und verursacht CO2-intensiven Pendelverkehr. Wie weit diese Schäden kompensiert werden können, hängt von mehreren Faktoren ab: Gibt der Boden in Hangelsberg genug Wasser für Tesla und die Natur her? Wie gut wachsen die Tesla-Ausgleichswälder an? Wie schnell kommt Brandenburg und der Rest der Bundesrepublik mit dem Ausbau der Erneuerbaren voran, sodass Tesla mit grünem Strom produzieren kann? Schließlich: Wieweit gelingt es Tesla, Land, Kommunen und Bahn, die Pendlerströme so zu organisieren, dass möglichst wenig CO2 ausgestoßen wird? Was man Tesla dabei zugute halten muss: Teslas ersetzen Verbrenner-Autos - bisher im hochpreisigen Segment. Aber mit einem schon geplanten 20.000-Euro-Modell, das in Grünheide hergestellt werden könnte, will Tesla bald auch in der Mittelklasse Verbrenner-Motoren verdrängen. Außerdem will das Unternehmen laut Elon Musk in Grünheide bald besonders ressourcenschonend Batterien herstellen. Schließlich motivieren die Kalifornier schon jetzt durch ihre Vorreiterrolle andere Hersteller, mehr E-Modelle zu entwickeln. Wenn wie geplant der Strom nicht nur in Brandenburg grüner wird, wird im Verkehr unter anderem durch Tesla weniger CO2 ausgestoßen. Um den Klimawandel spürbar einzudämmen reicht das zwar nicht - dafür muss mehr Individualverkehr durch Bus und Bahn ersetzt werden - aber ein wichtiger Baustein ist es dennoch. Davon würde letztlich auch die Natur in Grünheide profitieren.

Source = Deutsch-Nachrichten.Com

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